Initiative für mehr Herkunftskennzeichnungen bei Lebensmitteln

22.02.2022 - Deutschland

Deutschland und Österreich machen Druck für einen Ausbau der verpflichtenden Herkunftskennzeichnungen für Lebensmittel auf dem europäischen Markt. Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, wo ihr Essen herkommt, und sie haben auch einen Anspruch darauf." Alle profitierten davon, wenn im Supermarktprospekt mit der besonderen Herkunft geworben werde. "Die Herkunftskennzeichnung macht auch Transportwege sichtbar und ist damit ein Baustein für klimagerechten Konsum."

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/elasticcomputefarm-1865639/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=949913" marked="1">ElasticComputeFarm</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=949913" marked="1">Pixabay</a>

Bei Beratungen der EU-Agrarminister an diesem Montag wollen Özdemir und seine österreichische Amtskollegin Elisabeth Köstinger nach Ministeriumsangaben eine gemeinsame Initiative vorstellen. Sie zielt darauf, "faire Einkommen für Landwirte" sicherzustellen. Dafür wird die EU-Kommission unter anderem aufgefordert, zügig einen Vorschlag für eine umfassendere Herkunftskennzeichnung vorzulegen.

Köstinger sagte, die Herkunftskennzeichnung sei "ein zwingend notwendiges Instrument, um die Wertschöpfung unserer Landwirte zu steigern". Der nächste Schritt sei, Verbündete dafür zu gewinnen.

Daher sei mit Deutschland eine "Fairness-Allianz" gegründet worden.

Die Herkunftskennzeichnung ist Teil einer Strategie der EU-Kommission für eine nachhaltigere Landwirtschaft ("Farm to Fork"/"Vom Hof zum Teller"), wie es zur Erläuterung hieß. Geprüft werden soll demnach eine Ausdehnung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung auf Produkte wie Milch und Milch als Zutat, Fleisch als Zutat, Reis oder Tomaten in bestimmten Tomatenprodukten.

Verpflichtend angegeben werden muss das Herkunftsland bereits für viele Lebensmittel. Dazu gehören frisches Obst und Gemüse, Eier und frisches Rindfleisch - hierbei bezogen auf Geburt, Mast, Schlachtung und Zerlegung, wie es auf dem Portal "Lebensmittelklarheit" der Verbraucherzentralen heißt. Bei Fisch muss demnach das Fanggebiet und bei Zuchtfisch das Land angeben werden, in dem er seine letzte Entwicklungsphase hatte. Bei frischem, gekühltem und gefrorenem Fleisch von Schwein, Schaf, Ziege und Geflügel sind - bei verpackter Ware - das Land der Aufzucht und der Schlachtung anzugeben.

Özdemir sagte: "Wir wollen im europäischen Schulterschluss die Herkunft von Lebensmitteln transparenter machen. Das gelingt am besten mit EU-weit einheitlichen Regeln." Es müsse sich auch für Landwirte langfristig auszahlen, wenn sie Kundenwünsche nach einer bestimmten Herkunft von Lebensmitteln gezielt bedienen. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP ist vereinbart, dass neben einer verbindlichen Tierhaltungskennzeichnung auch eine "umfassende Herkunftskennzeichnung" eingeführt werden soll.

Außer den Pflicht-Kennzeichnungen gibt es eine Reihe freiwilliger Logos auf Verpackungen. Dabei sollen Medaillen und Etiketten oft eine besondere Regionalität verbürgen. So werben die Bundesländer mit Siegeln, auch Handelsketten haben teils eigene Regionalmarken. Die Kriterien, was das bezogen auf die Zutaten genau bedeutet, sind aber unterschiedlich. Dazu kommen in der EU noch die "geschützte Ursprungsbezeichnung" etwa für Allgäuer Emmentaler und die "geschützte geografische Angabe" wie für Lübecker Marzipan.

Daneben gibt es auch ein bundesweit einheitliches Logo: das 2014 eingeführte blaue "Regionalfenster", das Hersteller freiwillig auf Packungen drucken können. Inzwischen haben es mehr als 5400 Produkte, wie der Trägerverein im Dezember mitteilte. Das "Regionalfenster" zeigt, woher die wichtigsten Zutaten stammen und wo sie verarbeitet wurden. Die Region muss kleiner als Deutschland sein. Möglich sind etwa ein Bundesland, ein Kreis oder Angaben wie "aus der Eifel". Die erste Hauptzutat muss zu 100 Prozent aus der Region stammen - genau wie die "wertgebenden Zutaten", also etwa Kirschen in Kirschjoghurt./sam/DP/jha (dpa)

 

Weitere News aus dem Ressort Wirtschaft & Finanzen

Meistgelesene News

Weitere News von unseren anderen Portalen

Zuletzt betrachtete Inhalte

Getir erhält 768 Millionen Dollar in einer Serie-E-Finanzierung mit einer Bewertung von 11,8 Milliarden Dollar - Unternehmen für ultraschnellen Lebensmittelkomfort nähert sich 40 Millionen Downloads in neun Ländern

Getir erhält 768 Millionen Dollar in einer Serie-E-Finanzierung mit einer Bewertung von 11,8 Milliarden Dollar - Unternehmen für ultraschnellen Lebensmittelkomfort nähert sich 40 Millionen Downloads in neun Ländern

Rabobank wählt 45 Start-ups für FoodBytes aus den Bereichen Lebensmittel und Landwirtschaft aus - FoodBytes! Pitch zieht Rekordzahl von Bewerbern für neu gestaltetes Programm zur Förderung der Zusammenarbeit für ein nachhaltiges Ernährungssystem an

Rabobank wählt 45 Start-ups für FoodBytes aus den Bereichen Lebensmittel und Landwirtschaft aus - FoodBytes! Pitch zieht Rekordzahl von Bewerbern für neu gestaltetes Programm zur Förderung der Zusammenarbeit für ein nachhaltiges Ernährungssystem an

Greenpeace-Studie: Fleischkonsum in Deutschland verursacht externe Kosten von fast 6 Mrd. Euro - Erzeugerpreise unterschlagen Umwelt- und Klimaschäden der Tierhaltung

Greenpeace-Studie: Fleischkonsum in Deutschland verursacht externe Kosten von fast 6 Mrd. Euro - Erzeugerpreise unterschlagen Umwelt- und Klimaschäden der Tierhaltung

Nationalmannschaft der Bier-Sommeliers trainiert für fünften WM-Titel - Fast 3.000 Sommeliers für Bier gibt es bereits - viele machen ihr Hobby zum Beruf

Nationalmannschaft der Bier-Sommeliers trainiert für fünften WM-Titel - Fast 3.000 Sommeliers für Bier gibt es bereits - viele machen ihr Hobby zum Beruf

Abfrage belegt: Frischfleisch in Supermärkten kommt überwiegend aus schlechter Tierhaltung - Greenpeace-Aktive informieren in 55 Städten über Billigfleisch

Mondelēz International ernennt Vince Gruber zum Leiter des Europageschäfts

Mondelēz International ernennt Vince Gruber zum Leiter des Europageschäfts

Equal Pay Day: Frauen fragen doch nicht seltener nach mehr Gehalt

Equal Pay Day: Frauen fragen doch nicht seltener nach mehr Gehalt

Zahl der Woche: 21 | Ungesunde Pausensnacks: Jedes fünfte Kind hat Süßigkeiten dabei - 21 Prozent der Eltern geben ihren sechs- bis neunjährigen Kindern Süßigkeiten oder Kuchen mit in die Schule

Zahl der Woche: 21 | Ungesunde Pausensnacks: Jedes fünfte Kind hat Süßigkeiten dabei - 21 Prozent der Eltern geben ihren sechs- bis neunjährigen Kindern Süßigkeiten oder Kuchen mit in die Schule

Hochprozentig nachhaltig: Birkenhof-Brennerei setzt auf regenerative Energien - Zukunftsorientierung und Ressourcen-Schonung: Birkenhof-Brennerei deckt 80% Energiebedarf der Destillerie durch Photovoltaik

Hochprozentig nachhaltig: Birkenhof-Brennerei setzt auf regenerative Energien - Zukunftsorientierung und Ressourcen-Schonung: Birkenhof-Brennerei deckt 80% Energiebedarf der Destillerie durch Photovoltaik

Nxtfood sammelt 49 Millionen Euro ein, um Europas Champion auf pflanzlicher Basis zu werden - Französisches Start-up treibt industrielle Expansion und europäische Wachstumsstrategie voran

Nxtfood sammelt 49 Millionen Euro ein, um Europas Champion auf pflanzlicher Basis zu werden - Französisches Start-up treibt industrielle Expansion und europäische Wachstumsstrategie voran

Studie: Deshalb sind Veganer besser im Bett Paare, die sich beim Essen einig sind, harmonieren auch sexuell besser

Studie: Deshalb sind Veganer besser im Bett Paare, die sich beim Essen einig sind, harmonieren auch sexuell besser

Tiefe Verbundenheit und enge Vertrautheit: 25-jähriges Betriebsjubiläum von Jürgen Buhrmann mit Weyermann Malz

Tiefe Verbundenheit und enge Vertrautheit: 25-jähriges Betriebsjubiläum von Jürgen Buhrmann mit Weyermann Malz