Rohstoffmärkte: Preisspitzen sind keine Blasen
Erhebliche Steigerungen zeigen funktionierende Selbstregulierung
Steigen Rohstoffpreise dramatisch, suchen viele die Schuld bei Indexhändlern. Doch das scheint nicht gerechtfertigt, so das Ergebnis einer Studie von Ökonomen der University of Illinois. Demnach waren von 2004 bis 2013 Preisspitzen bei Getreide auf einen notwendigen Ausgleich des Marktes zurückzuführen. Echte Blasen, in denen Marktpreis und Wert tatsächlich auseinanderklaffen, sind den Forschern zufolge kurz und selten - und überraschend oft liegt der Preis dann zu niedrig.
In den neun erfassten Jahren ist der Ölpreis phasenweise massiv gestiegen. "Indexhändler von Rohstoff-Termingeschäften wurde vorgeworfen, das normale Angebot und die Nachfrage auszuhebeln und Preise dramatisch in die Höhe schnellen zu lassen", meint der Agrarökonom Scott Irwin. Auch Getreidepreise hätten besonders 2007 und 2008 Rekordhöhen erreicht, beispielsweise acht Dollar pro Bushel bei Mais. Irwins Team hat nun mit einem neuen Test bewertet, ob und wann es wirklich Preisblasen bei Getreide gab. Das Ergebnis: Immer dann, wenn die Preise wirklich sprunghaft gestiegen sind, gab es keine Blasen.
Hysterie bei Ausgleich
Dramatische Preissprünge verleiten zur Vermutung, dass es exzessive Spekulation, Volatilität oder Hysterie auf dem Markt gibt. Doch der Studie zufolge waren 2004 bis 2013 beobachtete dramatische Anstiege bei Getreidepreisen absolut nötig, um Angebot und Nachfrage auszugleichen - die Preisbewertung also richtig. "Eine Blase ist eine Phase, in der der Preis über oder unter dem wahren wirtschaftlichen Grundwert liegt, der vom Markt bestimmt wird", betont daher Irwin. Genau das kam im untersuchten Zeitraum in Wirklichkeit kaum vor.
Lediglich zwei Prozent der Zeit gab es tatsächlich Blasen. Diese traten zudem nur kurz auf, selbst die längste erfasste Blase erstreckte sich nur über 17 bis 18 Werktage. Wenn die Forscher tatsächlich Blasenverhalten beobachtet haben, war der Preis zudem in einem Drittel der Fälle zu niedrig. Dabei handeln 99 Prozent aller Diskussionen über Marktfluktuationen von den dramatischen Steigerungen, so Irwin. "Die Studie besagt jedenfalls, dass es ein wenig Schluckauf gibt, der Markt aber sehr gut darin ist, den Preis richtig zu bewerten."
Spekulationsresistenz
Wenngleich sich Irwin keine großen Hoffnungen macht, könnten Fakten wie diese helfen, Rohstoffmärkte rationaler zu verstehen. Das betrifft auch die Rolle spekulativer Geschäfte. "Die neuen Indexhändler sind eine neue Art des Spekulanten", so der Agrarökonom. Sie verfügen über viel Geld, könnten also potenziell Preisdruck ausüben. Doch seien Rohstoff-Termingeschäfte ein Markt, der nicht allzu anfällig für Blasen sein sollte. "In der Studie gibt es nur sehr begrenzte Anzeichen, dass Spekulation den Herstellern und Konsumenten des Getreides schadet", findet Irwin dies bestätigt.
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