Landesamt findet wieder Mineralölrückstände in Adventskalendern

24.11.2016 - Deutschland

Schon im vergangenen Jahr hatte das bayerische Landesamt für Gesundheit Mineralölrückstände in fünf Schoko-Adventskalendern gefunden. Nun hat sich die Behörde die betroffenen Kalender erneut angeschaut - mit überraschendem Ergebnis.

Auch in diesem Jahr sind wieder Mineralölrückstände in Schokoladen-Adventskalendern gefunden worden. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wies in der Schokolade von drei der fünf untersuchten Kalender geringe Mengen sogenannter aromatischer Kohlenwasserstoffe (MOAH) nach. Diese stehen im Verdacht, krebserregende Stoffe zu enthalten. Die Behörde hatte sich diesmal auf die fünf Kalender konzentriert, in denen bereits im vergangenen Jahr solche Rückstände gefunden worden waren. 

«Der Verzehr von Adventskalenderschokolade gibt auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse nach Auffassung des LGL keinen Anlass zur Besorgnis», betonte das Amt am Mittwoch auf seiner Internetseite - mit Verweis auf die übliche Verzehrmenge: ein Stück pro Tag an 24 Tagen im Jahr. 

Die Mineralölbestandteile gehen oft aus recycelten Kartons auf die Schokolade über. Für die Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet, und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. Auch bei der Ernte oder der Herstellung des Papiers werden Mineralöle für Maschinen genutzt. Und manche Jutesäcke, in denen Kakaobohnen transportiert werden, können mit Mineralölen imprägniert sein. 

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung sind Mineralölrückstände in Lebensmitteln grundsätzlich unerwünscht. Einen gesetzlichen Grenzwert gibt es jedoch noch nicht - laut einem Änderungsentwurf soll er künftig in der nationalen «Mineralölverordnung» festgelegt werden. Die Regelung wird sich laut LGL allerdings nur auf Verpackungen aus Recyclingmaterial beziehen. Im aktuellen Test wurden jedoch nur Frischfaserkartons verwendet. Ein anderer Entwurf zur Änderung «Druckfarbenverordnung» sieht vor, dass künftig keine mineralölhaltigen Farben zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen mehr verwendet werden dürfen. Diese Verordnung wird gerade von der EU-Kommission geprüft. 

Lebensmittelrechtlich seien die Kalender nicht zu beanstanden, hieß es vom LGL. Die Hersteller der Adventskalender sollen dennoch über die Ergebnisse informiert werden. 

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte die Veröffentlichung gefordert. Sie forderte nun einen Verkaufsstopp sowie einen öffentlichen Rückruf der Kalender. Dem LGL warf Foodwatch vor, die Gesundheitsgefährdung zu verharmlosen: «Die Beschwichtigungen der bayerischen Behörde sind von der Wissenschaft nicht gedeckt und im Sinne des Gesundheitsschutzes inakzeptabel», sagte Johannes Heeg von Foodwatch. «Die Tests zeigen erneut, dass die Lebensmittelbranche das Mineralölproblem nicht entschieden genug angeht, solange der Gesetzgeber sie dazu nicht zwingt.» 

Auch der Verbraucherschutzexperte der SPD im bayerischen Landtag, Florian von Brunn, forderte, alle belasteten Produkte sofort vom Markt zu nehmen. Das Problem sei seit mindestens 2012 bekannt. Damals hatte die Stiftung Warentest Verunreinigungen festgestellt. Von Brunn kritisierte auch, dass das LGL nur fünf Adventskalender testete.

Weitere News aus dem Ressort Wirtschaft & Finanzen

Meistgelesene News

Weitere News von unseren anderen Portalen

Verwandte Inhalte finden Sie in den Themenwelten

Themenwelt Lebensmittelsicherheit

Lebensmittelsicherheit ist das Herzstück der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Sie stellt sicher, dass die Nahrungsmittel, die wir täglich zu uns nehmen, nicht nur nahrhaft, sondern auch frei von schädlichen Kontaminanten sind. Vom Feld bis zum Teller überwacht und reguliert die Branche jeden Schritt des Prozesses mit strengen Qualitätskontrollen, fortschrittlichen Testmethoden und kontinuierlicher Forschung.

1 Produkte
10+ White Paper
1 Broschüren
Themenwelt anzeigen
Themenwelt Lebensmittelsicherheit

Themenwelt Lebensmittelsicherheit

Lebensmittelsicherheit ist das Herzstück der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Sie stellt sicher, dass die Nahrungsmittel, die wir täglich zu uns nehmen, nicht nur nahrhaft, sondern auch frei von schädlichen Kontaminanten sind. Vom Feld bis zum Teller überwacht und reguliert die Branche jeden Schritt des Prozesses mit strengen Qualitätskontrollen, fortschrittlichen Testmethoden und kontinuierlicher Forschung.

1 Produkte
10+ White Paper
1 Broschüren

Zuletzt betrachtete Inhalte

Nestlé erwirbt Mehrheit an brasilianischem Premium-Schokoladenhersteller

Nestlé erwirbt Mehrheit an brasilianischem Premium-Schokoladenhersteller

Einführung der Clean-Label-Zutaten eröffnet neue Möglichkeiten in der Brotherstellung

Einführung der Clean-Label-Zutaten eröffnet neue Möglichkeiten in der Brotherstellung

Ehrenpräsident des Deutschen Brauer-Bundes erhält den Hopfenorden - Hohe Auszeichnung für Dr. Hans-Georg Eils

Ehrenpräsident des Deutschen Brauer-Bundes erhält den Hopfenorden - Hohe Auszeichnung für Dr. Hans-Georg Eils

"Behalte die Wahl" - Deutsche Lebensmittelwirtschaft stellt Positionen zur Bundestagswahl 2017 vor

Umweltfreundliche Markierung: Nature & More spart mit natürlichem Labeling Millionen Plastikverpackungen ein

Umweltfreundliche Markierung: Nature & More spart mit natürlichem Labeling Millionen Plastikverpackungen ein

Mikronährstoffe im Fokus: Calciumversorgung bei Paleo- und veganer Ernährung kritisch

Mikronährstoffe im Fokus: Calciumversorgung bei Paleo- und veganer Ernährung kritisch

Bäckerhandwerk sichert Zukunft: Ausbildungsvergütung steigt ab 1. März 2025

Bäckerhandwerk sichert Zukunft: Ausbildungsvergütung steigt ab 1. März 2025

Lateinamerikanische Bananenarbeiter lehnen den von ALDI erklärten Preiskrieg ab - Vertragspreis soll pro Bananenkiste von 12,41 Euro auf 11,33 Eurogesenkt werden

Lateinamerikanische Bananenarbeiter lehnen den von ALDI erklärten Preiskrieg ab - Vertragspreis soll pro Bananenkiste von 12,41 Euro auf 11,33 Eurogesenkt werden

Lebensmittelallergie in der Familie: Risiko für Geschwister kaum erhöht

Erstmals nachgewiesen: Das Mikrobiom von Obst und Gemüse beeinflusst die Vielfalt im Darm positiv - Bakterielle Vielfalt im Darm spielt eine wichtige Rolle für die menschliche Gesundheit

Erstmals nachgewiesen: Das Mikrobiom von Obst und Gemüse beeinflusst die Vielfalt im Darm positiv - Bakterielle Vielfalt im Darm spielt eine wichtige Rolle für die menschliche Gesundheit

Fleischverarbeitungsbetriebe: Welche Faktoren sind für das Überleben entscheidend?

Fleischverarbeitungsbetriebe: Welche Faktoren sind für das Überleben entscheidend?

Kanada ist bereits der drittgrößte Nicht-EU-Markt für europäische Zitronen - Das nordamerikanische Land verzeichnete zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten den größten Anstieg der Nachfrage nach europäischen Zitronenmärkten im Vergleich zum Vorjahr

Kanada ist bereits der drittgrößte Nicht-EU-Markt für europäische Zitronen - Das nordamerikanische Land verzeichnete zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten den größten Anstieg der Nachfrage nach europäischen Zitronenmärkten im Vergleich zum Vorjahr