Nach foodwatch-Abmahnung: Lidl und Tinema stoppen Greenwashing bei Lachs
Siegel ohne Substanz – Warum ASC und GGN Verbrauchern keine echte Garantie für nachhaltige Lachszucht geben
Erfolg für foodwatch: Lidl und die Tinema GmbH wollen Lachs künftig nicht mehr mit irreführenden Nachhaltigkeitsversprechen bewerben. Die Verbraucherorganisation hatte die Unternehmen zuvor abgemahnt. Konkret betrifft das Produkte mit norwegischem Lachs der Marken Nautica und "Meine Lieblinge", die mit dem ASC- beziehungsweise GGN-Siegel zertifiziert sind. foodwatch hatte kritisierte, dass Verbraucher:innen die grünen Werbeversprechen auf den Produkten nicht nachvollziehen können. Zudem täuschten die Siegel über die oftmals schlechten Bedingungen in den Zuchtfarmen hinweg.
"Es ist ein wichtiges Signal, dass Lidl und Tinema auf die foodwatch-Kritik reagieren und die irreführenden Nachhaltigkeitsversprechen von den Packungen verschwinden", sagte Annemarie Botzki von foodwatch. "Doch das grundsätzliche Problem bleibt: Eine Fülle von Siegeln gaukelt uns vor, in der Lachszucht sei alles in bester Ordnung. Die Verbraucher:innen können weder beim ASC- noch beim GGN-Siegel darauf vertrauen, dass es den Tieren gut ging. Selbst Zuchtfarmen, in denen Lachse massenhaft verenden, verlieren nicht automatisch ihre Zertifizierung. Hersteller und Handel dürfen sich nicht blind auf Siegel verlassen. Die Zertifizierer müssen garantieren: Wo ein Nachhaltigkeits-Siegel drauf ist, ist auch nachhaltiger Lachs drin."
Hersteller Tinema verpflichtet sich, das ASC-Siegel sowie die beanstandeten Werbeaussagen "umweltverträglich und nach sozialen Standards hergestellt" sowie "aus verantwortungsvoller Fischzucht" von den Verpackungen mehrerer Lachsprodukte der Marke "Meine Lieblinge" bis Ende Oktober zu entfernen. Nach eigenen Angaben verkauft das auf Räucherfisch spezialisierte Handelsunternehmen jährlich 51 Millionen Packungen an den deutschen Einzelhandel. Die Marke "Meine Lieblinge" hat unter anderem Rewe im Sortiment.
Auch Lidl hat Konsequenzen gezogen: Das Unternehmen hat das Werbeversprechen "verantwortungsvoll produziert" von der Verpackung des Nautica-Lachses genommen. Außerdem hat Lidl das Siegel mit der Aufschrift "Woher kommt unser Fisch? Scannen Sie den QR-Code" entfernt. foodwatch hatte kritisiert, dass dies bei den Verbraucher:innen den Eindruck erweckt, sie könnten den Ursprung des Fischs vollständig nachvollziehen. Tatsächlich ließ sich das Produkt auf der Trackingseite jedoch nur bis zum Händler zurückverfolgen und nicht bis zur Fischfarm. Laut Angaben von Lidl sind die geänderten Verpackungen seit Juli im Verkauf.
Die industrielle Lachszucht steht seit Jahren wegen hoher Besatzdichten, Ungezieferbefall und Belastungen für umliegende Ökosysteme in der Kritik. Laut dem Norwegischen Veterinärinstitut verendeten 2025 in norwegischen Zuchtfarmen 98 Millionen Lachse, noch bevor sie verarbeitet werden konnten. Auch in ASC- zertifizierten Zuchtfarmen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Missständen wie einem Massensterben von Lachsen. Deshalb kann die Branche aus Sicht von foodwatch nicht von einer besonders "umweltverträglichen" oder "verantwortungsvollen" Produktion sprechen.
Für Umweltwerbung gelten laut Bundesgerichtshof (BGH) besonders strenge Anforderungen. Der BGH stellte 2024 klar, dass Unternehmen bei umweltbezogener Werbung eindeutig erklären müssen, was verwendete Umweltbegriffe bedeuten. foodwatch bewertete die beanstandete Werbung als Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Ab Ende September wird Greenwashing durch die Änderung des Wettbewerbs- und des Verbraucherrechts stärker reglementiert. Dann sind zum Beispiel allgemeine Umweltaussagen nur noch mit einer klaren Spezifizierung und Begründung zulässig.
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