Unsichtbarer Kampf zwischen Bakterien bestimmt den Geschmack und die Sicherheit von Salami
Forschung könnte zu sichereren Produkten, gleichmäßigerer Qualität und möglicherweise neuen Geschmacksrichtungen und Texturen führen
Die Fermentierung ist eine der ältesten Methoden zur Konservierung von Lebensmitteln. Lange bevor es Kühlschränke gab, verließen sich die Menschen auf Mikroorganismen, um Lebensmittel - einschließlich Fleisch - genusstauglich zu machen. Die Doktorarbeit der VUB-Forscherin Ana Sosa Fajardo (VUB-Forschungsgruppe für Industrielle Mikrobiologie und Lebensmittelbiotechnologie) bringt nun Licht ins Dunkel, warum zum Beispiel eine fermentierte Wurst nicht nur sicher zu essen ist, sondern auch geschmacklich überzeugt. Nach Ansicht der Forscherin findet während des Fermentationsprozesses ein unsichtbarer Kampf zwischen Bakterien statt. Ihre Doktorarbeit zeigt, wie bestimmte Bakterien miteinander konkurrieren oder kooperieren und sich in einer Weise anpassen, die letztlich den Geschmack, die Farbe und die Sicherheit von fermentiertem Fleisch gewährleistet.
Der Fermentationsprozess spielt eine wichtige Rolle bei der Herstellung von gepökelten Fleischprodukten wie Salami und anderen fermentierten Fleischsorten. Dennoch verstehen wir immer noch nicht ganz genau, was während dieses Prozesses passiert. "Damit die Fermentierung erfolgreich verläuft, stehen die Bakterien in ständiger Wechselwirkung miteinander", sagt Sosa Fajardo. "Sie müssen sich an eine anspruchsvolle und sich ständig verändernde Umgebung anpassen. Einige Bakterien produzieren Substanzen, die Konkurrenten hemmen, während andere effizienter bei der Aufnahme von Nährstoffen werden oder sich gegen Stress schützen.
Innerhalb dieser komplexen mikrobiellen Gemeinschaft spielen zwei Gruppen von Bakterien eine Schlüsselrolle. Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass das Produkt saurer wird, was die Möglichkeiten für schädliche Mikroorganismen verringert, zu gedeihen. Eine zweite Gruppe von Bakterien trägt hauptsächlich zur Entwicklung von Geschmack und Farbe bei. Über diese letzte Gruppe war bisher viel weniger bekannt.
In ihrer Doktorarbeit konzentrierte sich Sosa Fajardo auf ein bestimmtes Bakterium: Staphylococcus shinii. Auch wenn der Name nicht vertraut klingt, könnte das Bakterium eine wichtige Rolle bei Gärungsprozessen spielen. Mit fortschrittlichen Techniken untersuchte der Forscher nicht nur die genetischen Eigenschaften des Bakteriums, sondern vor allem, welche dieser Eigenschaften bei der Herstellung von fermentiertem Fleisch tatsächlich aktiv werden.
Was sich im Inneren eines Stücks fermentierten Fleisches abspielt, erweist sich als weitaus komplexer, als es auf den ersten Blick scheint: Im Inneren des Fleisches existiert eine mikroskopische Gesellschaft, in der Milliarden von Bakterien unsichtbar um die Vorherrschaft verhandeln. "Konkurrenzfaktoren sind für das Überleben von Bakterien innerhalb einer Gemeinschaft unerlässlich", sagt Sosa Fajardo. "Gleichzeitig können sie aber auch die Qualität und Sicherheit des Endprodukts bestimmen".
Die Ergebnisse bieten eine neue Perspektive auf die Fermentation: nicht als einfacher Prozess, bei dem Bakterien lediglich ihre Arbeit verrichten, sondern als dynamisches Ökosystem, in dem die Mikroorganismen ständig auf ihre Umgebung und aufeinander reagieren. In Zukunft könnte dieses Wissen Forschern und Lebensmittelherstellern helfen, Fermentationsprozesse effektiver zu steuern. Dies könnte zu noch sichereren Produkten, gleichmäßigerer Qualität und möglicherweise zu neuen Geschmacksrichtungen und Texturen führen.
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Ana Sosa-Fajardo, Cristian Díaz-Muñoz, David Van der Veken, Inés Pradal, Marko Verce, Stefan Weckx, Frédéric Leroy; "Genomic exploration of the fermented meat isolate Staphylococcus shinii IMDO-S216 with a focus on competitiveness-enhancing secondary metabolites"; BMC Genomics, Volume 25, 2024-6-7
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