Lebensmittelmikrobiologe: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“

Hohenheimer Wissenschaftler sieht hohe Lebensmittelsicherheit „Die Schwachstelle in der Überwachung ist die Anzahl der Kontrolleure“ / „Hygienic design“ habe die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln stark erhöht

13.12.2013 - Deutschland

Stuttgart - Maden im Mehl, Mäuse in der Großküche: Foodwatch meldet sich am heutigen Donnerstag mit einem eigenen Report über das Versagen von Lebensmittelkontrollen zu Wort. Prof. Dr. Herbert Schmidt, Leiter des Fachgebiets Lebensmittelmikrobiologe an der Universität Hohenheim, findet es wichtig solche Themen an die Öffentlichkeit zu bringen. Als Wissenschaftler ist er davon überzeugt, dass die Lebensmittelsicherheit in Deutschland sehr hoch ist – aber auch durchaus verbessert werden könnte.

„Die Sicherheit von Lebensmitteln in Deutschland ist meiner Meinung nach sehr hoch“, sagt Prof. Dr. Schmidt. „In der Öffentlichkeit ist die Wahrnehmung allerdings verzerrt. Man redet nur über einzelne Skandale. Die
99,9 Prozent, die gut laufen, werden nicht erwähnt. Wir haben gute Gesetze und Richtwerte. Natürlich gibt es schwarze Schafe mit krimineller Energie, aber im Großen und Ganzen gehe ich persönlich gerne in den Supermarkt, weil ich weiß, dass mir nichts passieren kann.“

Neue Generation von Maschinen verbessert Hygiene

„Es kann nie hundertprozentige Sicherheit geben“, so der Lebensmittelmikrobiologe. In den vergangenen Jahren seien die Standards in der Produktion von Lebensmitteln erhöht worden. Auch das Design von Maschinen, die in den Fabriken eingesetzt würden, sei so gut geworden, dass viele mikrobiologische Gefahren schon im Produktionsprozess ausgemerzt würden.

Als Beispiel nennt Prof. Dr. Schmidt das sogenannte „hygienic design“. Die Maschinen sind so gestaltet, dass sie leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind. Da habe die Industrie große Fortschritte gemacht. Manchem kleineren Hersteller falle es schwer, diese hohen Standards einzuhalten. „Vielleicht gibt es deswegen bei den Kleinbetrieben höhere Beanstandungsquoten“, so Prof. Dr. Schmidt. Man dürfe aber nicht vergessen, dass noch vor 150 Jahren die Menschen nicht älter als 30 oder 40 Jahre alt geworden sind, weil sie sich mit irgendeinem Erreger infiziert hätten – und das teilweise über die Ernährung.

„Die Qualität der in den Verkehr gebrachten Lebensmittel in Deutschland hat sich stark verbessert, aber es finden immer noch große Ausbrüche von lebensmittelbedingten Erkrankungen statt“, sagt Prof. Dr. Schmidt.

Experte: „Zahl der Kontrolleure ist eine mögliche Schwachstelle“

Als Schwachstellen bei der Lebensmittelkontrolle identifiziert der Experte die Anzahl der Kontrolleure. „Die Kontrollen werden gemacht, aber es könnte sein, dass man mehr qualifiziertes Personal benötigt, um die Standards besser zu sichern. Hier sehe ich Verbesserungspotenzial.“ Die Hygienemaßnahmen und –anforderungen an die Lebensmittel verarbeitenden Betriebe sowie Restaurants bewertet der Experte als ausreichend. Die Frage sei lediglich, wie man die geforderten Standards erfülle. „Natürlich kann man die Sicherheit von Lebensmitteln weiter erhöhen“, sagt Prof. Dr. Schmidt. „Aber dann gibt es so strikte Regelungen, dass keine Bewegung mehr möglich ist.“

Die Forderung von Foodwatch, wie in Dänemark oder New York alle Ergebnisse der amtlichen Kontrollen zu veröffentlichen mit dem Ziel, dass alle Lebensmittel- und Futtermittelbetriebe die Gesetze einhalten, will der Hohenheimer Wissenschaftler auf die Schnelle nicht beurteilen. „Wir haben im Moment nur die Aussagen von Foodwatch. Man müsste die Situationen in den Ländern genau unter die Lupe nehmen.“

Sicherlich sei eine hohe Transparenz, insbesondere bei den Ergebnissen der Lebensmittelkontrollen, zu begrüßen. Wichtig sei allerdings für den einzelnen Verbraucher, sich und seinen eigenen Sinnen zu vertrauen. „Ich kann erst mal glauben, was ich sehe – und ich sollte meinen eigenen Sinnen trauen. Die Verbraucher sollten nicht verlernen ein Lebensmittel selbst zu beurteilen“, so Prof. Dr. Schmidt.

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