Zusammenschluss zu den Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs

Bier von österreichischen Privatbrauereien trägt jetzt ein Herkunftssiegel

29.09.2021 - Österreich

Paukenschlag in der heimischen Bierszene: Zehn Privatbrauereien schließen sich zu den 'Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs' zusammen. Zum Schutz der österreichischen Braukultur, unter dem Motto 'für immer konzernfrei'.

Niklas Stadler

v.l.n.r.: Dipl. Ing. Karl Trojan (Bierbrauerei Schrems, Niederösterreich), Ing. Josef Rieberer (Brauerei Murau, Steiermark), Hubert Stöhr (Brauerei Schloss Eggenberg, Oberösterreich) HeinzHuber (Mohrenbrauerei, Vorarlberg), Mag. Josef Sigl (Trumer Privatbrauerei, Salzburg), Mag. Siegfried Menz (Ottakringer Brauerei, Wien), Mag. Karl Schwarz (Privatbrauerei Zwettl, Niederösterreich), Ewald Pöschko MBA (Braucommune in Freistadt, Oberösterreich), Dr. Heinrich Dieter Kiener (Stieglbrauerei zu Salzburg), Dr. Klaus Möller (Privatbrauerei Hirt, Kärnten)

Bereits 6 von 10 Bieren, die in Österreich getrunken werden, stammen von internationalen Großkonzernen. Höchste Zeit, ein Zeichen zu setzen, finden die österreichischen Privatbrauereien. Ein Herkunfts-Siegel soll ab sofort transparent machen, wer hinter einem Bier steckt.

Herkunfts-Siegel schafft Transparenz

'Österreichische Privatbrauerei – 100 % unabhängig' – so steht es auf dem neu geschaffenen Siegel, das ab sofort die Flaschen, Dosen und Verpackungen der zehn Privatbrauereien ziert, die sich zur Vereinigung 'Unabhängige Privatbrauereien Österreichs' zusammengeschlossen haben.

Informierte BiergenießerInnen

Österreich ist ein Land mit einer langen eigenständigen Biertradition. Doch heute ist der österreichische Biermarkt gespalten. Rund zwei Drittel werden von einem internationalen Großkonzern dominiert. Die bunte Szene der regionalen Privatbrauereien macht nur noch rund ein Drittel aus. Die unabhängigen Privatbrauereien sehen deshalb die Ursprünglichkeit der österreichischen Brautradition gefährdet.

Letztlich liegt die Entscheidung aber bei den BiergenießerInnen. Sie haben die Wahl – vorausgesetzt, sie verfügen über transparente Informationen. Diese liefert das Herkunftssiegel. So können die KonsumentInnen schon vor dem Regal auf einen Blick erkennen, ob sie zu einem Produkt eines internationalen Konzerns greifen, oder zu einem Bier aus einer österreichischen Privatbrauerei, die sich ihre Unabhängigkeit bewahrt hat. KonsumentInnen werden immer kritischer. Auf ihrer Suche nach dem Echten, Authentischen, brauchen sie beim Einkauf die richtigen Informationen - klar, eindeutig und nachvollziehbar.
'Wir wollen ein Zeichen setzen für unser Bier. Wir wollen österreichische Privatbrauereien stärken, die sich nicht von Großkonzernen vereinnahmen lassen', begründet Aufsichtsrat der Ottakringer Brauerei Sigi Menz das Engagement seines Unternehmens.

Das neue Siegel soll Aufklärung und Transparenz schaffen. Privatbrauereien, die das neue Siegel verwenden, sind:

  • Zu 100 % selbstbestimmt sowie wirtschaftlich und finanziell unabhängig. Es gibt keine Verflechtungen mit internationalen Großkonzernen.
  • Zu 100 % in österreichischer Hand. Die Privatbrauereien selbst sowie ihre wirtschaftlichen Eigentümer haben ihren Sitz in Österreich und zahlen alle Steuern in Österreich. So tragen sie wesentlich zur Wertschöpfung des Landes bei.
  • Zu 100 % echt und authentisch. Diese Privatbrauereien existieren seit Jahrhunderten und sorgen für den Erhalt der österreichischen Biervielfalt.

Das Siegel zeichnet somit Unternehmen aus, die zu hundert Prozent in österreichischem Eigentum stehen. Sie tragen damit zum Gemeinwohl des Landes bei und leisten mit ihren Steuern und Abgaben einen fairen Beitrag zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und anderen Aufgaben der öffentlichen Hand. Von den Steuern der Privatbrauereien profitieren alle Österreicherinnen und Österreicher.

'Mit dem Siegel wollen wir die Menschen in unserem Land auf das Bier von Privatbrauereien aufmerksam machen', erläutert Ewald Pöschko, Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt und Obmann des neuen Vereins, 'unsere Botschaft lautet: Wir sind nicht von internationalen Großkonzernen abhängig, sondern erwirtschaften unsere gesamte Wertschöpfung im Inland und zahlen auch hier alle unsere Steuern. '

Marktkonzentration und Vielfalt

Mit ihrer Initiative wollen die 'Unabhängigen österreichischen Privatbrauereien' die Vielfalt der echten österreichischen Bierkultur fördern. Die 10 Privatbrauereien haben ihren Sitz in jeweils unterschiedlichen österreichischen Regionen, von Dornbirn bis Wien, und pflegen dort authentische regionale Traditionen. Sie sind ein Garant für die historisch gewachsene Biervielfalt in Österreich und liefern so die Antwort auf das Vordringen des globalisierten Einheitsgeschmacks.
Auslöser für die Initiative der 10 Privatbrauereien sind die Marktverzerrungen am heimischen Biermarkt, die von den mittelständischen Privatbrauereien schon länger mit Sorge beobachtet werden. Denn als Folge von jahrelangen Fusionen und Übernahmen wird der österreichische Biermarkt heute von Konzernstrukturen dominiert.
Die Pandemie hat die Situation zusätzlich verschärft. Durch den monatelangen Ausfall der Gastronomie brach der Bierkonsum ein. Die internationalen Großkonzerne reagierten darauf mit scharfen Preiskämpfen, bei denen die Privatbrauereien nicht mithalten können und wollen. Gleichzeitig löste die Corona-Pandemie aber auch eine ganz andere Entwicklung aus, nämlich eine Besinnung auf das Österreichische, Authentische, auf Regionalität und Nachhaltigkeit.

'Wir haben eine paradoxe Situation', findet Stiegl-Eigentümer Dr. Heinrich Dieter Kiener: 'Auf der einen Seite zeigt sich die Bierszene in Österreich mit rund 300 Klein- und Kleinstbrauereien noch nie so dynamisch wie heute. Auf der anderen Seite sind zwei Drittel des Marktes in einer Hand. '

Die Vereinigung 'Unabhängige Privatbrauereien Österreichs' wird wachsen

Im Hinblick auf das Ziel, die authentische, österreichische Braukultur zu fördern, hat die neue Vereinigung bestimmte Kriterien entwickelt. Die wichtigsten sind: Die Privatbrauerei und ihre Eigentümer müssen ihren Sitz in Österreich haben und dürfen unter keinem Einfluss eines ausländischen Unternehmens stehen. Sie muss seit drei Jahren gewerblich als Privatbrauerei in Österreich tätig sein und die Braustätte muss real existieren - nicht nur der Markenname.
Dafür spielt die Größe der Privatbrauerei keine Rolle, auch Kleinstbrauereien sind zugelassen, sofern sie die Kriterien erfüllen.

Die Biere, die derzeit dieses Siegel tragen, machen einen Anteil von rund 28 % des österreichischen Biermarktes (Inlandsausstoß 8 Millionen Hektoliter im Jahr 2020) aus. Die Initiative dieser 10 Privatbrauereien soll aber nur der Startschuss sein. Die Vereinigung will weitere Mitglieder aufnehmen und eines Tages möglichst viele unabhängige Privatbrauereien Österreichs unter einem Dach vereinen.

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