Wer hat Angst vor'm Montagmorgen? Deutsche sehen dem Wochenstart vergleichsweise entspannt entgegen

Über ein Fünftel (22 %) fühlt sich nach dem Wochenende jedoch nicht erholt genug

02.11.2022 - Deutschland

Genau wie Halloween ein eher angelsächsisch geprägtes Phänomen ist, so scheinen auf den ersten Blick auch die sogenannten "Sunday Scaries" in Deutschland weit weniger verbreitet zu sein als in den englischsprachigen Ländern, aus denen der Begriff stammt. Laut einer repräsentativen Studie der Jobplattform Monster in Zusammenarbeit mit YouGov Deutschland* ist man gegen die Angst vor dem Wochenstart hierzulande wohl härter gesotten. Gerade mal ein Zehntel (10 Prozent) der Deutschen gaben an, dass der Gedanke an Montag bereits sonntags in ihnen Angst auslöst. Tatsächlich sagten fast doppelt so viele Befragte (17 Prozent), sie fühlen sich am Sonntagabend noch tiefenentspannt und verschwenden noch keinen Gedanken an Montag. 10 Prozent freuen sich sogar auf den Wochenstart und auf alles, was auf sie zukommt. Laut den Monster-Expert:innen ist dies jedoch nicht unbedingt ein Grund zur Erleichterung.

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Das Phänomen "Sunday Scaries": Panik um nichts?

Nur sieben Prozent der Befragten gaben in der betreffenden Studie an, sich bei dem Gedanken an Arbeit am nächsten Tag etwa krank zu fühlen oder unter anderen körperlichen Beschwerden wie Schlaflosigkeit zu leiden. Vergleichbare Studien in den USA und Großbritannien kamen zu dem Schluss, dass dort weitaus größere Teile der Bevölkerung unter "Sunday Scaries" leiden. Die britische Regierung nahm die Erkenntnisse sogar zum Anlass, eine Kampagne für psychische Gesundheit in die Wege zu leiten. Ein Hype um nichts?

"Dass die Ergebnisse in englischsprachigen Ländern drastischer ausfallen als in Deutschland muss nicht zwingend bedeuten, dass Stress oder psychische Belastung im Zusammenhang mit dem Wochenstart hierzulande weitaus seltener verbreitet sind. Für wahrscheinlicher halte ich es, dass man in diesen Ländern bereits für die Wichtigkeit geistiger Gesundheit stärker sensibilisiert ist. Wir sollten das Thema hierzulande deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen", so Laetitia Boidevaix, Head of Marketing DACH bei Monster.

Frauen graut es häufiger vor dem Wochenstart

Leichte Unterschiede zeigen sich beim Geschlecht: So gaben Frauen etwas häufiger an als Männer (12 Prozent gegenüber 8 Prozent), sich sonntags bereits vor dem anstehenden Wochenstart zu fürchten. Zudem erklärten sie häufiger, sich nach dem Wochenende nicht erholt genug zu fühlen (23 Prozent gegenüber 20 Prozent). Nur 14 Prozent der Frauen sind laut der Studie sonntags noch tiefenentspannt und denken nicht an Arbeit, gegenüber 20 Prozent der Männer.

"Natürlich spielen unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel die jeweilige Lebenssituation, bei der psychischen Belastung eine Rolle", so Boidevaix. Dass Frauen oder Mütter im Zusammenhang mit dem Wochenstart häufiger Belastung spüren als Männer, könnte auch mit der Verteilung der sogenannten "mentalen Last" bei Eltern zusammenhängen. In jedem Fall sollten Arbeitgebende Eltern bestmögliche Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und -zeit entgegenbringen, damit diesen den Einstieg in die Woche so stressfrei wie möglich gestalten können".

Die Jungen sind gestresst, im Alter wird's entspannter

Tatsächlich scheint die Angst vor dem Wochenstart - analog zu Erkenntnissen in anderen Ländern - im Schnitt eher die jüngere Bevölkerungsgruppe zu belasten. 17 Prozent der 25-34-Jährigen (gegenüber den durchschnittlichen 10 Prozent) gaben an, dass der Gedanke an Montag in ihnen Angst auslöst. In den Altersgruppen 18-24 und 35-44 sieht es ähnlich aus, erst ab 45 lassen die "Sunday Scaries" hierzulande nach. Ein Drittel der unter 45-Jährigen erklärten analog dazu, das Wochenende würde ihnen zur Erholung nicht ausreichen, ab 45 sagen dies nur noch 23 Prozent. Insbesondere die Altersgruppe 18-24 scheint nicht gerade unbeschwert aus dem Wochenende zu kommen: Diese gab am häufigsten (29 Prozent) an, sich bereits am Sonntag mental auf die bevorstehende Arbeitswoche vorzubereiten und anstehende Aufgaben zu planen.

Laetitia Boidevaix meint dazu: "Jüngere Menschen, die sich oft noch im Anfangsstadium ihrer Karriere befinden, sind häufiger großem Leistungsdruck ausgesetzt. Befristete Verträge oder die Unsicherheit auf Übernahme nach einer Lehre oder einem Traineeship können hier mitspielen. Arbeitgebende sollten aber grundsätzlich regelmäßig mit allen Angestellten ins Gespräch gehen und die individuelle Arbeitskapazität abhorchen und so einen Rahmen schaffen, offen über Be- oder Überlastung zu sprechen".

*Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.110 Personen zwischen dem 07. und 09.10.2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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