Preissteigerung treibt Verbraucher zur Gelbwurst

Rindfleisch unter Druck

16.11.2022 - Deutschland

Das halbjährliche Branchenecho der Fleisch- und Wurstindustrie in Deutschland zeigt große Verbraucherveränderungen und damit starke Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette. Die Befragung der Fleisch-Medien der dfv Mediengruppe und der Managementberatung Ebner Stolz richtet sich an die Top 100-Unternehmen der Branche. Unter den Befragten sind 30% Unternehmen mit mehr als 1.500 Mitarbeitern und einem Umsatz größer als 500 Mio. Euro, 70% der Befragten zählen zum klassischen Mittelstand.

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"Das Branchenecho zeigt: Die deutsche Fleischindustrie packt die Transformation am Schopfe", so Christian Schnücke, Gesamtverlagsleiter Agrar-, Back- und Fleisch-Medien der dfv Mediengruppe. "Diese Branche ist geprägt durch eine Vielzahl von Unternehmern, Handwerkern und Kreativen. Vielfalt zahlt sich jetzt in der Krise aus, so dass viele Unternehmen trotz Herausforderungen positiv in die Zukunft blicken." Für Klaus Martin Fischer, Partner der Managementberatung Ebner Stolz, zeigt sich ein weiterer Trend: "Die Unternehmen streben nach regionalen Wertschöpfungsketten. Was seit vielen Jahren ein Vorteil der Geflügelwirtschaft ist, wird nun zunehmend auch im Bereich Schwein und Rind erarbeitet. Schließlich ist es für kein Unternehmen der Branche erstrebenswert 400g-Packungen Fleischwurst zu produzieren, bei denen die Marge gerade so die Produktionskosten deckt". Stattdessen sieht Fischer den Trend zu stärkerer Kooperation zwischen landwirtschaftlichen Erzeugern, Schlachtern, Veredlern und Handel.

Executive Summary:

  • Verbrauchertrend Preis: 89% sehen sich den Forderungen nach preiswerten Produkten ausgesetzt, 78% nach regionalen Produkten. Nur noch 33% sehen sich dem Verbraucherwunsch nach Waren aus höherer Haltungsform ausgesetzt.
  • Teuerung der Produktion belastet die Industrie. 90% stehen durch hohe Energiekosten vor einer sehr großen Herausforderung. Hohe Rohstoffpreise, Logistik und Verpackungskosten sind ebenfalls für mehr als jeden zweiten Betrieb herausfordernd.
  • Handel hat Preise angepasst: 75% der Betriebe haben eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 13%. 62% erwarten jetzt keine Preisanpassungen des Handels mehr.
  • Multi-Topic-Krise: Inflation (85%), Konsumrückgang (74%), Personalmangel (66%) sind die größten Herausforderungen der Branche. Nur 37% sehen in der politischen Agrarwende die größte Herausforderung.
  • Gewinner und Verlierer: 32% der Betriebe - vor allem aus dem Mittelstand - sind mit der Auslastung zufrieden, speziell aus dem Segment Geflügel, 40% teils-teils, 29% unzufrieden. 18% planen Produktionsreduzierungen, 21% Steigerungen.
  • Hohe Zuversichtlichkeit: 44% erwarten eine Umsatzsteigerung in den nächsten 6 Monaten, 51% keine Rückgänge.

Eine Vielzahl von Krisen belastet die Stimmung in der deutschen Fleischwirtschaft. Durch die Folgen des russischen Angriffskrieges ist die Teuerung der Produktion zurzeit die größte Herausforderung für die Branche. 90% der Befragten werden durch hohe Energiekosten belastet. Hohe Rohstoffpreise, Logistikkosten und Verfügbarkeiten sowie Verpackungskosten sind ebenfalls für mehr als jeden zweiten Betrieb herausfordernd. Trotzdem konnten 75% der Betriebe im vergangenen Jahr eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 13% verzeichnen. Dies ist vor allem auf Preissteigerungen im Handel und steigende Rohstoffkosten zurückzuführen. Weitere Preisanpassungen des Handels in den nächsten Monaten werden von 62% nicht mehr erwartet.

Verbrauchertrend Preiswohl

In Folge der Preissteigerungen der Produkte im Handel und der weiter steigenden Inflation erwarten 83% einen Nachfragerückgang auf Fleisch und Wurstwaren von mehr als 5%, auch aufgrund der erhöhten Lebenshaltungskosten. 89% der Industrie sieht sich mit der Forderung nach preiswerten Produkten konfrontiert. Gelbwurst, Brühwurst, Leberwurst ersetzen in vielen Einkaufswägen Spezialitäten oder Waren aus höheren Haltungsformen. Nur noch 33% der produzierenden Industrie sieht den Verbraucherwunsch nach Waren aus höherer Haltungsform. Wichtiges Verkaufsmerkmal bleibt die Regionalität bei 78% der Befragten. Bemerkenswerte Schlussfolgerung: Nur 4% der Befragten wollen zukünftig in Marketing investieren. Durch hohe Produktionskosten, weniger Nachfrage und Kostendruck igeln sich die Betriebe ein.

Politische Agrarwende durch Konsumrückgang ersetzt

Größte Herausforderung für die Fleischindustrie ist nicht mehr die angekündigte politische Agrarwende. Lediglich 37% der Befragten sehen hierin das wichtigste Thema. Stattdessen sind Inflation (85%), Konsumrückgang (74%) und Personalmangel (66%) die größten Herausforderungen der Branche. Bei 75% der Betriebe fehlen aktuell Produktionsmitarbeiter.

Mittelstand gewinnt, Herausforderung für Großunternehmen

Trotz der Krisensituation für die Wirtschaft sind 32% der Betriebe mit ihrer aktuellen Auslastung zufrieden. 40% antworten mit "teils teils": Dies sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. 29% der Befragten sind aktuell unzufrieden. Dies zeigt sich auch beim Blick in die Zukunft. 21% planen aktuell sogar Produktionssteigerungen. Insgesamt zeigt sich daher eine hohe Zuversichtlichkeit: 44% der Branche erwarten Umsatzsteigerung in den nächsten sechs Monaten, 51% zumindest keine Rückgänge.

Trotzdem sehen 81% der Befragten die Branche erst am Beginn der Transformation. Eine Folge könnte daher die zunehmende vertikale Integration sein. 38% der Befragten streben aktuell nach Allianzen in der Wertschöpfungskette. 11% suchen sogar nach Möglichkeiten Geschäftsmodelle zu bündeln.

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