Fischalternativen überzeugen in Deutschland beim Nutri-Score
Welche Nährwerte lassen sich noch verbessern?
Eine aktuelle Nährwertstudie von ProVeg International zeigt: pflanzliche Fischalternativen tragen in Deutschland überdurchschnittlich oft einen Nutri-Score, mit dem sie für eine ausgewogene Ernährung geeignet sind. Im Ländervergleich weisen die Produkte allerdings oft weniger Protein auf und sind seltener mit Jod und anderen Mikronährstoffen angereichert. Die Ernährungsorganisation fordert Hersteller auf, bei den Mikronährstoffen nachzubessern. Von der Politik wünscht sie sich klare Standards für optimale Nährstoffprofile und Kennzeichnungen.
Pflanzliche Fischalternativen bieten Verbrauchern einige Vorteile: Sie sind praktisch, denn sie lassen sich in der Küche wie konventioneller Fisch verwenden. Dabei nehmen sie Druck von den überfischten Ökosystemen unserer Meere und stützen damit eine nachhaltige Ernährung. Die ProVeg-Studie „Out of the net, into the future: The coming rise of plant-based fish alternatives and a look at their nutritional profile” hat nun auch die Nährwerte von pflanzlichen Fischalternativen anhand von 100 Produkten aus elf Ländern untersucht, darunter 16 Produkte aus Deutschland. Die Studie berücksichtigt Alternativen zu Fischstäbchen, -burgern und -filets sowie Thunfisch und Räucherlachs.
Top bei Nutri-Score, Fett und Zucker
In Deutschland punkten pflanzliche Fischalternativen bei der transparenten Kennzeichnung von Nährwerten. Ein deutlich überproportionaler Anteil der untersuchten Produkte gibt hierzulande den Nutri-Score an. Rund 7 von 10 Produkten aus Deutschland tragen die Noten A, B oder C und sind somit in Maßen oder regelmäßig für eine ausgewogene Ernährung geeignet. Dieser Anteil ist rund doppelt so hoch wie im internationalen Vergleich.
Pflanzliche Fischalternativen haben in Deutschland im Schnitt einen niedrigen Gehalt an gesättigten Fetten von 1,1 Gramm pro 100 Gramm. Dies qualifiziert sie nach den Kriterien der Europäischen Union (EU) als „fettarm” und platziert Deutschland unter den Ländern mit den niedrigsten Durchschnittswerten.
Die Produkte sind außerdem in der Regel zuckerarm mit einem Durchschnitt von 1,6 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Dieser Gehalt liegt deutlich unter dem EU-Schwellenwert für die Kennzeichnung „zuckerarm” und ist vergleichbar mit den Werten in den meisten anderen untersuchten Ländern.
Mittelfeld bei Ballaststoffen und Omega-3
Fischalternativen enthalten in Deutschland auch durchschnittlich 3,8 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm. Anders als konventioneller Fisch gelten sie laut EU damit als „Ballaststoffquellen”. Allerdings qualifiziert sich nur rund jede dritte Fischalternative in Deutschland als „Ballaststoffquelle”, in Belgien und dem Vereinigten Königreich sind es über 70 Prozent.
Produkte, die ihren Omega-3-Gehalt angeben, enthalten im Schnitt 0,75 Gramm der gesunden Fettsäuren pro 100 Gramm. Dieser Wert liegt im Bereich des Gesamtdurchschnitts aller Produkte, die Omega-3 deklarierten. Die primäre Omega-3-Fettsäure war Alpha-Linolensäure (ALA). Die Studie empfiehlt Herstellern, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) zu ergänzen, zum Beispiel aus Algenöl, um die Nährwerte von tierischem Fisch besser abzubilden.
Nachhut bei Protein, Mikronährstoffen und Salz
Mit rund 8,6 Gramm pro 100 Gramm liegen pflanzliche Fischalternativen in Deutschland beim Protein-Gehalt eher im unteren Bereich. Nur 65 Prozent der Produkte gelten dem EU-Schwellenwert nach als „Proteinquellen”. Dieser Anteil ist weit kleiner als in Tschechien und Spanien, wo alle untersuchten Produkte die EU-Kriterien erfüllen, und kleiner als in Italien, den Niederlanden, Polen, den USA und Portugal.
Weniger als ein Viertel der Produkte sind mit Vitamin B12 oder Eisen angereichert. Fischalternativen in Deutschland liegen im Ländervergleich damit im unteren Bereich. Insgesamt fand das Studienteam nur ein einziges mit Jod angereichertes Produkt – aus Italien. Tierischer Fisch ist eine wichtige Jodquelle und Jod in Deutschland ein kritischer Nährstoff, unabhängig von der Ernährungsform.
Der durchschnittliche Salzgehalt in Fischalternativen betrug in Deutschland 1,5 Gramm pro 100 Gramm. Dieser Wert liegt über dem internationalen Durchschnitt von 1,3 Gramm pro 100 Gramm und wird nur in Polen übertroffen. Je nach Produkttyp und Marke variiert der Salzgehalt jedoch stark.
Empfehlungen an Hersteller und Politik
Damit pflanzliche Fischalternativen eine angemessene Alternative zu konventionellem Fisch bilden, empfiehlt ProVeg eine gezielte Produktentwicklung. Hersteller sollten auf die Anreicherung mit Mikronährstoffen und die Verwendung von Omega-3-Quellen wie Algenöl achten. Die Proteinqualität lässt sich durch eine Kombination verschiedener pflanzlicher Quellen und eine angepasste Verarbeitung steigern. Die Politik sollte außerdem klare Standards für optimale Nährstoffprofile und die Anreicherung mit Vitamin B12, Eisen und Jod festlegen. Daran könnten sich Hersteller bei der Entwicklung hochwertiger Produkte orientieren.
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