Spargelsaison startet - Teuerung bei Rohstoffen wird Preise treiben

16.03.2022 - Deutschland

Nach zwei Ernten in der Corona-Pandemie nun auch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine: Mit Blick auf höhere Energiekosten, steigende Preise für Dünger und mehr Geld für Erntehelfer rechnen die Spargelbauern in Hessen und Rheinland-Pfalz mit höheren Preisen für das Edelgemüse in diesem Jahr. Kurz vor dem Start in die neue Spargelsaison zeichnen sich eine Reihe von Kostenfaktoren ab. "Was den Betrieben wirklich zu schaffen macht, das sind die explodierenden Betriebsmittelkosten. Das tut richtig weh", sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber. In den kommenden Tagen soll an den Verkaufsständen die Direktvermarktung beginnen. Die nächtlichen Minusgrade vergangene Woche hätten einen früheren Erntestart verzögert.

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Der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt, geht von steigenden Preisen aus. Die 20-Euro-Marke für ein Kilogramm bester Spargelqualität werde aber zum Verkaufsstart wohl nicht geknackt. "Unsere Philosophie ist, eine Hälfte trägt der Verbraucher, eine Hälfte tragen die Landwirte." Auch Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd sieht eine Teuerung.

Mit Preisaussagen halte man sich zurück. Aber: "Es würde mich überraschen, wenn wir keine Anhebung der Preise haben." Die Produktionskosten seien höher als im vergangenen Jahr. In Rheinland-Pfalz sei schon der erste Spargel gestochen worden.

Anders als in den letzten beiden Jahren der Pandemie ist in diesem Jahr Köhr zufolge das Thema Erntehelfer kein Problem. "Corona ist geübte Praxis mit 3G am Arbeitsplatz", sagte Köhr. "Unsere Saisonarbeitskräfte dürfen kommen", sagte auch Meinhardt. Man habe auch wegen ukrainischer Flüchtlinge angefragt, die könnten sofort arbeiten. Die Corona-Maßnahmen würden nicht wegfallen. Alle die kommen, würden erst einmal getestet.

Man müsse zwar nicht wie zuletzt einen Flieger mieten, um die Arbeitskräfte aus Polen und Rumänien zu holen, sagte Meinhardt. Aber die Preise für Bustickets seien von 200 auf 250 Euro gestiegen.

Einschränkungen gebe es für ihn dennoch. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine seien einige seiner Arbeitskräfte aus Nordrumänien zur Grenzsicherung eingezogen worden. Statistiken, wie viele Erntehelfer zum Beispiel nach Hessen kommen, gibt es dem Bauernverband zufolge nicht. "Es gibt keine saubere Statistik über Erntehelfer", sagte Weber.

Den Schwerpunkt beim Verkauf sieht Meinhardt auch in diesem Jahr wieder bei der Direktvermarktung an den Verkaufsbuden. "Ich hoffe auch, dass die Gastronomie wieder mehr abnimmt. Das hat uns in den letzten beiden Jahren gefehlt."

Verbraucher müssen sich Weber zufolge wegen höherer Energiekosten, steigender Mindestlöhne und einer Verteuerung beim Dünger auf steigende Lebensmittelpreise einstellen. "Es gab eine Explosion bei den Preisen für Stickstoffdünger." Nach Angaben Meinhardts habe sich hier der Preis binnen eines Jahres fast vervierfacht. "Und ich bekomme nicht so viel, wie ich haben will."

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden deutschlandweit im vergangenen Jahr 119 268 Tonnen Spargel geerntet. Die Anbaufläche der über 1500 Betriebe lag bei 22 283 Hektar. In Hessen wird dem Bauernverband zufolge das Edelgemüse auf rund 1650 Hektar angebaut, 8500 Tonnen werden geerntet. In Rheinland-Pfalz bauen dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd zufolge rund 120 Betriebe den Spargel auf rund 1230 Hektar an.

Die Spargelernte beginnt in Deutschland normalerweise in der zweiten Aprilhälfte und dauert traditionell bis zum "Johannistag" am 24. Juni. Durch den fast ausschließlichen Anbau unter Folie konnte die Erntezeit verlängert werden./opi/DP/zb (dpa)

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