Häufig unausgewogen: Vegane Fleischersatzprodukte

22.01.2024
foodwatch

Vegane Fleischersatzprodukte erfreuen sich steigender Beliebtheit. Doch vegan heißt nicht unbedingt gesund - und auch nicht unbedingt ehrlich. Das zeigt der foodwatch-Marktcheck zum Veganuary.

Bacon, Frikadellen, Chicken Burger - es gibt fast nichts, was es nicht gibt auf dem Markt der veganen Fleischersatzprodukte. Kein Wunder: Immer mehr Menschen möchten aus gesundheitlichen Gründen oder für den Klima- und Umweltschutz ganz oder teilweise auf tierische Produkte verzichten. Doch pflanzliche Lebensmittel im Fleischstil sind nicht immer gesund. Das zeigt ein foodwatch-Marktcheck mit 15 beliebten veganen Produkten.

Ersatzprodukte im Nutri-Score-Check

Um den gesundheitlichen Wert zu beurteilen, hat foodwatch für alle Produkte die Nutri-Scores berechnet. Das Ergebnis: Lediglich zwei der 15 Fleischersatzprodukte erhielten eine grüne Nährwertampel. Mehr als die Hälfte bekommen dagegen eine eher schlechte Nutri-Score-Bewertung, ein orangenes D oder ein rotes E. Der Großteil der veganen Lebensmittel enthält eine Reihe von Zusatzstoffen und ist hochverarbeitet.

Die Produkte im Marktcheck:

  • Veggie Hack (Endori), 200g, 2,99 €, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: A 
  • Like Chicken (Like Meat), 180g, 3,19 €, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: A
  • Like Chicken Burger (Like Meat), 180g, 2,99€, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: C
  • The wonderchunks Dönerstyle (My veggie Tag), 185g, 2,99€, gekauft bei Aldi Nord, Nutri-Score: C 
  • Beyond Nuggets (Beyond Meat), 200g, 3,99€ gekauft bei Kaufland, Nutri-Score: C 
  • Veganer Schinken Spicker Mortadella (Rügenwalder Mühle), 80g, 1,59€ gekauft bei Rewe, Nutri-Score: C
  • Vegane Salami Klassisch (Rügenwalder Mühle), 80g, 1,59€, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: D 
  • Beyond Meat Burger, 226g, 3,99€, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: D 
  • The Vegan Cow Streichwurst (Bio), 150g, 3,99€, gekauft bei Bio Company, Nutri-Score: D 
  • Veganes Schnitzel Cheesy Style (Vemondo), 200g, 2,49€, gekauft bei Lidl, Nutri-Score: D
  • Veganer Bacon (Billie Green), 90g, 1,99€, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: D
  • Fleischsalat (my veggie), 200g, 0,99€, gekauft bei Edeka, Nutri-Score: D 
  • Vegane Mini-Frika (Greenforce), 180g, 2,99€, gekauft bei Rewe, Nutri-Score: D 
  • Veganes Virginia-Steak (Wheaty) (Bio), 175g, 4,39€, gekauft bei Denn's, Nutri-Score: E
  • Snack Salami Style (Billie Green), 75g, 2,49€, gekauft bei Edeka, Nutri-Score: E

Auch vegan erhältlich: Irreführung

Auch bei veganen Produkten gibt es Tricksereien: So wirbt etwa die Rügenwalder Mühle auf der Vorderseite der veganen Schinken Spicker Mortadella groß mit der Aussage “Auf Basis von Sonnenblumenkernen”. Ein Blick auf die Zutatenliste auf der Rückseite der Verpackung verrät aber: Es müsste eigentlich “Auf Basis von Bambusfasern” heißen, denn die vegane Wurst enthält gerade einmal zwei Prozent Sonnenblumenprotein.

Das große Angebot veganer Lebensmittel ist gut für alle, die sich klima- und tierschonender ernähren wollen. Doch Achtung: Vegan heißt nicht automatisch ehrlich, auch bei tierfreien Lebensmitteln wird getrickst und getäuscht. Rauna Bindewald foodwatch

Ein wachsender Markt

Mit dem sogenannten Veganuary wirbt eine Organisation seit 2014 dafür, sich im Januar und darüber hinaus vegan zu ernähren. Zahlreiche deutsche Einzelhändler beteiligen sich an der Kampagne. Kein Wunder: Schließlich ist das ein wachsender, lukrativer Markt, auf dem alle mitkassieren wollten. Laut Ernährungsreport 2023 des Bundesernährungsministeriums nimmt der Anteil derer, die täglich zu vegetarischen oder veganen Alternativen zu tierischen Produkten greifen, stetig zu. Waren es 2020 noch fünf Prozent der Verbraucher:innen in Deutschland, stieg die Zahl 2023 auf zehn Prozent an. Zwar spielen für die meisten Befragten Gründe wie Neugier, Klima- und Umwelt, Tierschutz und Geschmack eine herausgehobene Rolle beim Kauf von veganen Ersatzprodukten. 48 Prozent der Befragten gaben aber auch an, dass sie die Produkte kauften, weil sie gesund seien.  

Die Weltgesundheitsorganisation plädiert in einem Übersichtsreport für „weitere Forschungsarbeiten“, „um die noch unbekannten gesundheitlichen Auswirkungen der Lebensmittelzusatzstoffe und Nebenprodukte zu untersuchen, die bei der industriellen Verarbeitung solcher pflanzlichen "Fleischsorten" entstehen.“

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