Fisch am Karfreitag im Nachhaltigkeitscheck
Ostern steht vor der Tür - und damit eine kulinarische Tradition, die in vielen Haushalten fest verankert ist: Fisch an Karfreitag. Doch angesichts von Überfischung und bedrohten Meeren fragen sich immer mehr VerbraucherInnen: Kann man Fisch heute überhaupt noch mit gutem Gewissen essen?
"Ja - aber bewusst, in Maßen und möglichst aus umweltverträglicher Fischerei", sagt Gerlinde Geltinger vom Marine Stewardship Council (MSC), einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die das blaue Siegel für ökologisch nachhaltige Fischerei vergibt.
Was viele nicht wissen: Der Fisch auf unseren Tellern kommt nur selten aus heimischen Gewässern. "Rund 90 Prozent des in Deutschland konsumierten Fischs wird importiert", erklärt Geltinger. Fisch und Meeresfrüchte gehören zu den meistgehandelten Lebensmitteln weltweit - entsprechend komplex sind die Lieferketten. Umso wichtiger seien transparente und verlässliche Kennzeichnungen, die Aufschluss über Herkunft und Umweltverträglichkeit geben.
Grundsätzlich kann Fisch eine vergleichsweise klimafreundliche tierische Proteinquelle sein. Vor allem Wildfisch gilt als ökologisch vorteilhaft, da er eine natürlich nachwachsende Ressource ist und weder Flächen, Dünger noch zusätzliches Futter benötigt. "Fischkonsum ist aber nicht automatisch nachhaltig", betont Geltinger. Entscheidend sei, wie und unter welchen Bedingungen der Fisch gefangen bzw. produziert wird.
Für VerbraucherInnen ist das allerdings schwer zu beurteilen. Ökologisch nachhaltige Fischerei ist komplex - einfache Schwarz-Weiß-Aussagen greifen zu kurz. Fischbestände der gleichen Art können sich in ihrem Zustand regional stark unterscheiden, ebenso wie die Auswirkungen von Fangmethoden. Orientierung bieten daher verlässliche Zertifizierungen, die nach wissenschaftlichen Kriterien prüfen.
Fisch der mit dem MSC-Siegel gekennzeichnet ist, stammt aus einem gesunden Fischbestand. Beim Fang wird die Meeresumwelt möglichst wenig belastet. Die MSC-Bewertung erfolgt durch unabhängige ExpertInnen anhand umfangreicher ökologischer Kriterien. "Wichtig für glaubwürdige Zertifizierungen ist, dass diejenigen, die die Regeln festlegen, nicht dieselben sind, die deren Einhaltung prüfen", so Geltinger.
Es spräche also nichts dagegen die Karfreitagstradition mit Fisch beizubehalten, wenn beim Fischkauf auf eine zertifizierte, umweltverträgliche Herkunft geachtet wird. Außerdem wäre es sinnvoll nicht nur auf Raubfische wie Thunfisch, Lachs und Kabeljau zu setzen sondern verstärkt auch Arten am unteren Ende der Nahrungskette zu berücksichtigen. "Diese wachsen schneller nach, benötigen weniger Ressourcen und entlasten zugleich die stark befischten Bestände großer Räuber," empfiehlt Geltinger. Auf der Website Nachhaltige Rezepte | Marine Stewardship Council finden Sie eine große Auswahl an Rezepten mit MSC-zertifiziertem Fisch. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
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