Wie real muss ein Supermarkt sein?
Studie analysiert reale Läden, Laborsupermärkte, Online-Shops und VR-Umgebungen für Verbraucherstudien und zeigt wichtige Forschungslücken auf
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Forschende der Universität Bonn haben in einer Übersichtsstudie untersucht, mit welchen Methoden das Verbraucherverhalten in Supermärkten erforscht wird.
Um was geht es?
Forschende der Universität Bonn haben untersucht, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Verbraucherverhalten in Supermärkten untersuchen. Ihre Studie umfasst reale Lebensmittelgeschäfte, Regale im Labor, Online-Supermärkte und Virtual-Reality-Umgebungen. Das Ziel: zu erfassen, welche Art von Supermarktumgebungen Forschende nutzen und wie sie diese einsetzen, um besser zu verstehen, wie der Kontext des Einkaufens selbst das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten beeinflussen kann. Dies wiederum hilft politischen Entscheidungsträgern und Unternehmen dabei, Forschungsergebnisse zu interpretieren, aktuelle Strategien anzupassen oder neue Maßnahmen zu entwickeln.
Wie sind die Forschenden vorgegangen?
Das Team führte eine umfassende systematische Übersichtsstudie durch und analysierte Hunderte von Studien zum Verhalten von Lebensmittelkonsumentinnen und -konsumenten. Sie klassifizierten jede Studie nach dem Supermarktumfeld, dem untersuchten Thema (zum Beispiel Nährwertkennzeichnung oder Preisgestaltung), den gemessenen Verhaltensweisen (zum Beispiel Produktauswahl, Aufmerksamkeit oder Einkaufszeit), den verwendeten Instrumenten (zum Beispiel Eye-Tracking) sowie einer Reihe von methodischen Aspekten, wie beispielsweise der Frage, ob die Teilnehmenden die von ihnen ausgewählten Produkte tatsächlich erhielten und ob ihnen bewusst war, dass sie an einer Studie teilnahmen.
Was ist die wichtigste Erkenntnis?
Die Untersuchung ergab, dass reale Supermärkte nach wie vor die am häufigsten genutzte Umgebung sind, da sie den höchsten Realismus bieten. Sie bringen jedoch Herausforderungen für die experimentelle Kontrolle mit sich. Alternative Umgebungen wie Laborsupermärkte, Online-Versuchsläden und Virtual Reality (VR) ermöglichen es Forschenden hingegen, die Einkaufsumgebung zu manipulieren und präzise Verhaltensdaten zu sammeln. Es zeigten sich einige wichtige Forschungslücken: die Faktoren Einkaufszeit, Ausgaben und Interaktionen mit Produkten werden selten gemessen, während Etiketten, Nudges und Produktauswahl die Forschung dominieren. Insgesamt hebt die Studie die Kompromisse zwischen Realismus und Kontrolle sowie das Potenzial der Technologie hervor, um neue Einblicke in das Verbraucherverhalten zu gewinnen.
Wie und wozu forscht die Uni Bonn in Supermarkt-Settings?
An der Universität Bonn baut das Forschungsteam auf diesen Erkenntnissen auf und nutzt dazu den neuen Laborsupermarkt, eine hochmoderne Einrichtung, die reale Einkaufsumgebungen nachbildet (siehe https://www.ilr1.uni-bonn.de/lab-supermarket/de und Pressemeldung: https://www.uni-bonn.de/de/neues/014-2026). In diesem Labor können Forschende das Verbraucherverhalten unter kontrollierten Bedingungen in einer vergleichsweise realistischen Umgebung untersuchen. Ihr Ziel ist es, die Lücke zwischen experimentellen Ergebnissen und tatsächlichem Einkaufsverhalten zu schließen.
Wer war beteiligt?
Das Team bestand aus den zwei Forschungsgruppen Sozioökonomie nachhaltiger Ernährung und Agrar- und Lebensmittelmarktforschung des Instituts für Ernährungs- und Ressourcenökonomie der Universität Bonn sowie einem Forscher der Universität Göttingen.
Originalveröffentlichung
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Originalveröffentlichung
Aline Simonetti, Clara Mehlhose, Jeanette Klink‐Lehmann, Dominic Lemken; "Supermarket Settings and Consumer Behavior: A Systematic Mapping Review and Future Research Avenues"; International Journal of Consumer Studies, Volume 50, 2026-2-18
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