Mehrheit der Verbraucher:innen will wegen Zuckersteuer weniger süße Getränke kaufen
Vor allem der Preis treibt Heavy User zum Umdenken, Gesundheitsgründe spielen für sie eine untergeordnete Rolle
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Mehr als drei Viertel der Konsument:innen (77%) sind bereit, ihren Konsum zu reduzieren oder ganz auf künftig zuckersteuerpflichtige Getränke zu verzichten. Für diejenigen, die jeden Tag zuckerhaltige Getränke trinken, sind höhere Preise der wichtigste Grund, ihre Gewohnheiten zu ändern (58%). * Fast jede:r Zweite (48%) erwartet von Händlern ein erweitertes Sortiment an zuckerfreien und zuckerreduzierten Getränken.
Die geplante Zuckersteuer auf gesüßte Getränke könnte das Kaufverhalten von Verbraucher:innen deutlich verändern. In einer repräsentativen Befragung unter 1.000 Personen in Deutschland geben 77 Prozent an, ihren Konsum reduzieren oder diese Getränke komplett meiden zu wollen. Mit einem Befragungszeitraum vom 16. bis zum 21. Oktober erfasst die Erhebung erste Verbraucherreaktionen nach dem Kabinettsbeschluss zur Zuckersteuer. Bereits ein Steueraufschlag von 26 Cent pro Liter könnte viele zum Wechsel bewegen. Dabei zeigen sich erkennbare Unterschiede zwischen verschiedenen Konsumentengruppen. Unter denjenigen, die mindestens einmal täglich besagte Getränke konsumieren (Heavy User), würden 69 Prozent ihren Konsum reduzieren oder einstellen.
Für 58 Prozent von ihnen ist die Vermeidung des Preisaufschlags ein wesentlicher Grund, ihr Kaufverhalten anzupassen. Gesundheitliche Motive spielen dagegen eine geringere Rolle: 36 Prozent nennen den Wunsch nach einer gesünderen Ernährung, 34 Prozent den Wunsch nach einem geringeren Zuckerkonsum. Die Gruppe der Heavy User ist im Schnitt jünger und einkommensschwächer als der Rest der Befragten. Bei den Gelegenheitskonsument:innen ist das Bild ausgewogener: Hier werden finanzielle (57%) und gesundheitliche (53%) Motive ähnlich häufig genannt. "In welchem Umfang Hersteller und Händler die Zuckersteuer an Konsumentinnen und Konsumenten weitergeben werden, ist derzeit noch unklar. Unsere Ergebnisse sprechen jedoch für eine erhebliche Lenkungswirkung der Maßnahme", sagt Egbert Wege, Handelsexperte und Partner bei Deloitte.
Süßer Geschmack bleibt gefragt
Die Befragung zeigt zugleich, dass die geplante Zuckersteuer nicht automatisch zu einer Abkehr von süßen Getränken führt. Viele Verbraucher:innen wollen stattdessen auf Zero-Getränke mit Süßstoffen (37%) oder zuckerreduzierte Produkte (27%) ausweichen. Besonders Heavy User bleiben dem Geschmacksprofil "süß" treu und zeigen Interesse an steuerfreien Alternativen mit reduziertem Zuckeranteil (34%). Sie wollen in erster Linie sparen und erwarten vom Handel eine Abfederung der Preissteigerung durch z.B. Rabatte und Eigenmarken der zuckerhaltigen Getränke (49%). Unter den übrigen Konsument:innen hingegen ist eine Erweiterung des Sortiments um zuckerreduzierte oder zuckerfreie Rezepturen der größte Wunsch an die Händler (50%).
"Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen nicht auf Geschmack verzichten, sondern auf reformulierte Produkte umsteigen. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung: Hersteller und Händler sind gut beraten, ihr Portfolio zu überdenken, um sich auf die veränderte Nachfrage vorzubereiten. Mit der bürokratischen Bewältigung der Steuer allein ist es nicht getan", sagt Egbert Wege.