Gewerkschaft NGG will Humanisierungs- und Demografietarifverträge abschließen
Güster: „Höchste Zeit umzusteuern“
„Viele Betriebe in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie verspielen ihre Zukunft: Sie tun zu wenig, um die Arbeitsfähigkeit Älterer zu erhalten, gleichzeitig zu wenig, um junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen und sie als Fachkräfte zu binden. Um gegenzusteuern fordert die NGG die Arbeitgeberverbände der Branche auf, gemeinsam Humanisierungs- und Demografietarifverträge zu verhandeln und abzuschließen.“ Das hat Claus-Harald Güster, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), am Donnerstag zur Eröffnung der Betriebsräte-Konferenz „Faire Arbeit. Gutes Leben“ erklärt. Mehr als 200 Betriebsräte diskutieren in Kassel mit Arbeitgebern und Wissenschaftlern die tarifpolitische Strategie der NGG, um gesunde und menschengerechte Arbeitsbedingungen durchzusetzen.
Trotz zunehmender Belastungen – stetige Leistungsverdichtung, Schicht- und Nachtarbeit sowie die Sechs- und Sieben-Tage-Woche – gebe es heute kaum noch Arbeitsplätze, die es erlauben, gesund alt zu werden. Nach einer NGG-Umfrage bei Betriebsräten seien fast 90 Prozent der Unternehmen in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie nicht gut auf eine alternde Belegschaft vorbereitet. „Wir wollen ältere Beschäftigte, vor allem die, die viele Jahre im Schichtbetrieb gearbeitet haben, entlasten: durch die schrittweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit mit Lohnausgleich, Entlastungstagen, Pausen“, hat Güster angekündigt.
„Gleichzeitig brauchen junge Menschen Perspektiven. Die unbefristete Übernahme muss zur Regel werden. Dort, wo es notwendig ist, fordern wir eine ausbildungsbegleitende, betriebliche Qualifizierung, um die Chancen auf einen guten Ausbildungsabschluss zu gewährleisten. Das ist auch eine Option, um jungen Flüchtlingen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu sichern.“
Um angesichts der demografischen Entwicklung die Tarifpolitik der Zukunft auf ein sicheres Fundament zu stellen, müsse in jedem Betrieb eine umfassende Demografie-Analyse mit belastbaren Zahlen erstellt werden. Nicht minder wichtig seien Gefährdungsbeurteilungen, mit denen körperliche und zunehmend psychische Belastungen untersucht werden. Um gegenzusteuern, seien daraus gemeinsam mit den Betriebsräten Handlungsschritte abzuleiten.
„Gesunde und menschengerechte Arbeitsbedingungen heißt auch, dass die Prävention einen höheren Stellenwert erhalten muss. Und nicht zuletzt gilt es, familienfreundlichere Arbeitszeiten und Weiterbildung auch für Ältere durchzusetzen“, so der NGG-Vize.
Die Initiative „Faire Arbeit. Gutes Leben“ habe ein klares Ziel, so Güster: „Wir wollen dass unsere Kolleginnen und Kollegen in Würde und Gesundheit bis zum regulären Renteneintritt arbeiten können. Wir brauchen menschliche, lebensfreundliche Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten vom Berufs- bis zum Renteneintritt.“
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