Güster: Stress in den Betrieben muss bekämpft werden
Als „kontraproduktiv“ hat Claus-Harald Güster, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), den Vorschlag des „Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ bezeichnet, eine Teilarbeitsunfähigkeit in Deutschland einzuführen. Der aktuelle DGB-Index Gute Arbeit 2015* habe gezeigt, dass mehr als 50 Prozent aller Beschäftigten unter enormem Arbeitsdruck stehen und unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten. „Wer nur noch halbtags krankgeschrieben wird, wird weiter unter Druck gesetzt“, befürchtet Güster.
Der aktuelle DGB-Index Gute Arbeit belege: Gehetzt und unter Zeitdruck zu arbeiten, das ist der psychische Belastungsfaktor Nummer eins in der Arbeitswelt, so Güster. „Notwendig ist eine andere Antwort auf die stetige Leistungsverdichtung. Der Stress muss in den Betrieben bekämpft werden. Es gibt heute kaum noch Arbeitsplätze, die es erlauben, gesund alt zu werden“, so Güster. Nach einer NGG-Umfrage bei Betriebsräten seien fast 90 Prozent der Unternehmen in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie nicht gut auf eine alternde Belegschaft vorbereitet.
Deshalb wolle die NGG mit der Initiative „Faire Arbeit.Gutes Leben“ den demografischen Wandel in den NGG-Branchen auch tarifvertraglich gestalten. „Viele Arbeitgeber haben bisher nicht erkannt, dass sie den Schlüssel in der Hand haben, dass die Beschäftigten erst gar nicht krank werden und sie gesund bis zur Rente arbeiten können.“
In jedem Betrieb müsse eine umfassende Demografie-Analyse mit belastbaren Zahlen erstellt werden. Nicht minder wichtig seien Gefährdungsbeurteilungen, mit denen körperliche und zunehmend psychische Belastungen untersucht werden. Um gegenzusteuern, seien daraus gemeinsam mit den Betriebsräten Handlungsschritte abzuleiten. „Gesunde und menschengerechte Arbeitsbedingungen heißt auch, dass die Prävention einen höheren Stellenwert erhalten muss“, so der NGG-Vize.
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