Verbraucher:innen wählen dreisteste Werbelüge des Jahres – fünf Produkte von Yfood, 3 Bears, Intersnack und Mondelez nominiert

Goldener Windbeutel 2023

05.06.2023 - Deutschland

Die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2023 ist eröffnet: Verbraucher:innen können abstimmen, welches Produkt den Negativpreis für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten soll. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat fünf Kandidaten nominiert, die exemplarisch für Verbrauchertäuschung im Supermarkt stehen: die Trinkmahlzeit von Yfood, das Porridge von 3 Bears, die Pom-Bär Ofen-Minis von Intersnack sowie den Philadelphia mit Ziegenkäse und die Tuc Bake Rolls, beide von Mondelez.

Welches Produkt aus dem Supermarkt ist die dreisteste Werbelüge des Jahres? foodwatch hat fünf Kandidaten nominiert: die Trinkmahlzeit von Yfood, den Philadelphia-Frischkäse mit Ziegenkäse, die Bake Rolls von Tuc, das Porridge von 3Bears und die Pom-Bär Ofen Minis.

„Zutatentricksereien, versteckte Preiserhöhungen und Gesundheitsschwindel: Die Lebensmittelindustrie zockt Verbraucher:innen mit dreisten Werbemaschen ab. Gerade in Zeiten, in denen die Menschen beim Einkauf ohnehin schon kräftig zur Kasse gebeten werden, sind überteuerte Werbelügen besonders unverschämt“, sagte Rauna Bindewald von foodwatch.

Das sind die fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2023:

  • Kandidat Nr. 1: Philadelphia mit Ziegenkäse und Rosmarin von Mondelez: Name und Verpackungsgestaltung erwecken den Eindruck, es handelt sich um ein Ziegenkäseprodukt. Erst versteckt im Kleingedruckten erfährt man: Der Ziegenfrischkäse-Anteil liegt gerade einmal bei 3 Prozent. Dafür enthalten: Aroma.
  • Kandidat Nr. 2: Pom-Bär Ofen Minis von Intersnack Deutschland: Die Pom-Bär Ofen Minis in den Geschmacksrichtungen „Paprika“ und „Sour Cream Style“ richten sich an Kinder und werben mit „50 Prozent weniger Fett“ – doch dafür enthalten die Chips in Bärenform etwa sechs Mal so viel Zucker wie die Original Pom-Bären und dürften nach den Empfehlungen der WHO gar nicht erst an Kinder beworben werden.
  • Kandidat Nr. 3: Trinkmahlzeit von Yfood:Auf der Verpackung des Drinks prangt der Slogan „This is Food“. Eine 500ml-Flasche soll eine Mahlzeit ersetzen und wird als gesund, ausgewogen und vollwertig beworben. Tatsächlich handelt es sich schlicht um Milch mit Wasser und ein paar zugesetzten Vitaminen, Mineralien und Süßstoff – überteuert verkauft für 3,99 Euro. Künftig wird Yfood mit dem Nutri-Score E bewertet.
  • Kandidat Nr. 4: Tuc Bake Rolls von Mondelez: Mondelez verkauft die Bake Rolls, die zuvor unter der Marke 7Days im Supermarkt-Regal lagen, neuerdings unter der Marke Tuc. Es handelt sich quasi um das gleiche Produkt – nur wird es jetzt deutlich teurer verkauft: Kosteten 250 Gramm im Einzelhandel zuvor 1,39 Euro, so müssen für 150 Gramm jetzt 1,99 Euro hingelegt werden. Eine versteckte Preiserhöhung von 139 Prozent.
  • Kandidat Nr. 5: Porridge von 3 Bears: Das Start-Up 3 Bears bewirbt sein „Porridge“ mit einigem Brimborium: Der „Kernige Klassiker“ sei ein „Solo-Star“ - eine „geheime Mischung aus Vollkornhaferflocken. Garantiert ohne zugesetzten Zucker oder künstliche Zusätze.“ Der Blick auf die Zutatenliste zeigt: Es handelt sich schlicht und einfach um 100 % Haferflocken. Dafür müssen die Verbraucher:innen tief in die Tasche greifen: Für 400 Gramm Haferflocken werden 3,99 Euro fällig. Zum Vergleich: Eigenmarken-Haferflocken von Kaufland oder Rewe bekommt man schon für 79 Cent (500 Gramm). Selbst Bio-Haferflocken von Alnatura kosten nur 1,19 Euro (500 Gramm).

So reagierten die Unternehmen

Gegenüber Spiegel Online nahmen Mondelez, Intersnack Deutschland und Yfood zur Kritik von foodwatch Stellung. 3 Bears äußerte sich nicht. Mondelez riet Verbraucher:innen, auf die Zutatenliste des Philadelphia Frischkäses zu schauen. Doch nicht einmal die Zutatenliste auf der Verpackungsrückseite weise den Ziegenkäse-Anteil aus, so foodwatch. Dafür müsse man das Kleingedruckte am Verpackungsrand entdecken. Mondelez äußerte sich auch zu den Tuc Bake Rolls: „Die Gestaltung der Endverbraucherpreise liegt alleine beim Lebensmitteleinzelhandel beziehungsweise beim Onlinehändler“, teilte das Unternehmen mit. foodwatch geht dagegen davon aus, dass sich sowohl der Verkaufspreis von Mondelez an die Händler als auch die unverbindliche Preisempfehlung deutlich erhöht haben. Intersnack begründete den höheren Zuckergehalt der Pom-Bär Ofen Minis mit dem abweichenden Herstellungsprozess. Yfood bezeichnete den Preis des Drinks als fair.

Weitere News aus dem Ressort Wirtschaft & Finanzen

Weitere News von unseren anderen Portalen

KI verändert die Lebensmittel & Getränkebranche