SABMiller-Übernahme zerfleddert Gewinn von AB Inbev - Aktie verliert
Die teure Übernahme des Bierbrauers SABMiller hat dem Weltmarktführer AB Inbev 2016 einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Wegen hoher Finanzierungskosten und einer Abschreibung blieb unter dem Strich mit 1,24 Milliarden US-Dollar (1,2 Mrd Euro) Gewinn rund 85 Prozent weniger übrig als im Vorjahr, wie der Anbieter von Marken wie Beck's, Budweiser und Corona am Donnerstag im belgischen Leuven mitteilte.
Auch das Tagesgeschäft warf weniger Gewinn ab. Jetzt will Konzernchef Carlos Brito noch mehr sparen.
An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an. Kurz nach Handelsstart verlor die Aktie des Unternehmens, das mit einem Börsenwert von 210 Milliarden Euro zu den teuersten Europas zählt, 1,44 Prozent an Wert. Analysten hatten für 2016 sowohl im laufenden Geschäft als auch unter dem Strich mit besseren Ergebnissen gerechnet. Der Kurs des AB-Inbev-Papiers hinkt seit einiger Zeit wegen der vielen Risiken und Unsicherheiten infolge der SABMiller-Übernahme der allgemein positiven Marktentwicklung hinterher.
Der Umsatz legte bereinigt um Währungseffekte um 2,4 Prozent auf 45,5 Milliarden Dollar zu - inklusive der Auswirkungen der starken US-Währung sank der Erlös auf vergleichbarer Basis aber um rund drei Prozent. Der Bierabsatz ging um 1,4 Prozent zurück, bei anderen Produkten fielen die Rückgänge deutlich stärker aus. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um knapp acht Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar.
Das Management führte die Entwicklung vor allem auf die anhaltenden Probleme im wichtigen Absatzmarkt Brasilien zurück. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage in dem Land hätten sich die Verbraucher beim Bierkonsum zurückgehalten. Durch des Wertverlusts der brasilianischen Währung stiegen zudem die Kosten für AB Inbev.
Die Aktionäre sollen eine Schlussdividende von 2 Euro je Aktie erhalten. Insgesamt erreicht die Jahresausschüttung damit wie im Vorjahr 3,60 Euro je Anteilsschein. Für die Zukunft stellte AB-Inbev-Chef Brito lediglich moderat steigende Ausschüttungen in Aussicht. Der Konzern müsse Geld in den Schuldenabbau stecken, hieß es.
Für 2017 peilt Brito ein beschleunigtes Umsatzwachstum aus eigener Kraft an. Dazu plant er zusätzliche Marketing- und Werbemaßnahmen und baut auf den Erfolg der Kernmarken des Konzerns.
Von der im Oktober vollzogenen Übernahme des vormaligen britischen Rivalen SABMiller verspricht sich der Manager nun deutlich höhere Einsparungen als zuletzt. Statt von 2,45 Milliarden Dollar geht AB Inbev jetzt von 2,8 Milliarden Dollar aus - auf Basis stabiler Währungskurse. Die noch fehlenden rund 2 Milliarden Dollar sollen binnen der nächsten drei bis vier Jahre erreicht werden.
Experten waren bereits im Herbst davon ausgegangen, dass die Synergien aus dem Zusammenschluss etwa 3 Milliarden Dollar erreichen könnten.
Infolge der 79 Milliarden britische Pfund (92 Mrd Euro) schweren Übernahme verkauft AB Inbev künftig etwa jedes dritte Bier weltweit.
Zum Angebot zählen mehr als 500 Biersorten in aller Welt. In Deutschland besitzt das Unternehmen Marken wie Beck's, Diebels, Franziskaner, Hasseröder und Löwenbäu. SABMiller war für die Belgier auch wegen der starken Präsenz in Schwellenländern interessant, vor allem in Afrika./stw/she/zb (dpa)
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