Schwierige Rahmenbedingungen und steigende Kosten in der Milchbranche
Der Krieg in der Ukraine und die Auswirkungen auf die Märkte stellen die Verarbeiter und Produzenten von Milch und Milchprodukten vor enorme Herausforderungen, sowohl auf der Kostenseite der Produktion von Lebensmitteln als auch generell in der Verfügbarkeit von Rohstoffen und Betriebsmitteln.
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Auch auf nationaler Ebene stellt die Politik der Milchbranche weitere Aufgaben. Verknüpft werden soll die rechtliche Verpflichtung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln tierischer Herkunft mit der Haltungsform der Tiere, wie dem kürzlich im Kabinett verabschiedeten Entwurf zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetz am Beispiel Schwein zu entnehmen ist. Die betroffenen Wirtschaftsstufen sind sich einig, der beschlossene Entwurf für ein Tierhaltungskennzeichnungsgesetz ist ungeeignet, die Tierhaltungsbedingungen zu verbessern. Der Wunsch der Wirtschaft zum Referentenentwurf, auf bekannte und bewährte Systeme aufzubauen, wurde leider nicht gehört. Auch die EU hatte Deutschland gebeten, hier angesichts der Entwicklungen auf EU-Ebene abzuwarten. Die Sorge der Milchverarbeiter ist, dass Argumente der Wissenschaft zur Haltung von Milchkühen im weiteren Prozess nicht ausreichend Gehör finden.
Ein besonderes Augenmerk trifft aktuell die Energie und Gasversorgung. Die Verarbeitung, Haltbarmachung und Lagerung von Milch und Milchprodukten als wertvolles Lebensmittel für die Bevölkerung benötigt Energie. Die Milchverarbeiter haben in den vergangenen Jahren vermehrt auf moderne Technik und Gas als Energieträger gesetzt, aufgrund von Änderungen in der Umweltgesetzgebung, Beratung und Wirtschaftlichkeit. Der Rückbau auf Basis Öl zur Wärme- und Energiebereitstellung oder auch von alternativen regenerativen Energiequellen ist nicht überall möglich, so dass die Molkereien unbedingt Planungssicherheit bei der Gasbereitstellung benötigen. Molkereien gehören zu den Unternehmen der systemrelevanten Infrastruktur. Mit Spannung wartet der Verband daher auf endgültige Entscheidungen der Politik hinsichtlich Verfügbarkeit und Energiebeihilfen. Die hohen Energiepreise in Deutschland benachteiligen die Hersteller von Lebensmitteln bereits jetzt im harten Wettbewerb gegenüber anderen Ländern in der EU oder Übersee. Sicher ist jedoch, wenn kein Gas mehr fließt, kann die Wertschöpfungskette Milch in Deutschland vom Erzeuger bis zur Versorgungssicherheit Richtung Verbraucher nicht mehr flächendeckend aufrechterhalten werden. Die Wertschöpfungskette Milch lässt sich nicht einfach ab- und wieder anschalten.
Auch die Versorgung mit Betriebsmitteln bereitet Sorgen: Bestimmte Betriebsmittel wie z. B. CO2 oder AdBlue als Koppelprodukte stehen nicht immer im benötigten Umfang zur Verfügung, teils bedingt durch massive Produktionseinschränkung von Düngemitteln aufgrund wirtschaftlich nicht darstellbarer Energiekosten. Zudem fehlen Transportkapazitäten u. a. in Folge des Fahrermangels. Für den Fall einer Mangellage bei Energie muss daher der Blick auf politischer Ebene auch auf Bereiche außerhalb der eigentlichen Herstellung von Lebensmitteln erweitert und Situationen unverschuldeter Notlage einbezogen werden. So werden Verpackungen benötigt, damit Lebensmittel auch die Verbraucher erreichen können. Doch belaufen sich die Lieferzeiten für neue Verpackungen auf mehrere Monate, so dass sich in Zeiten stockender Lieferketten besondere Herausforderungen bei der Deklaration ergeben können.
Die deutschen Milchverarbeiter sind mittelständisch geprägt und bieten 39.000 Mitarbeitern und ihren Familien ein sicheres Einkommen, vielfach im ländlichen Raum. Politik muss daher unabhängig von Parteigrenzen kluge und weitsichtige Entscheidungen treffen, um Beschäftigung und Wohlstand am Wirtschaftsstandort Deutschland zu erhalten.
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