Zucker-Leitlinie der WHO ist Scheinlösung und basiert auf zweifelhafter Datenlage
Ein Vollkornbrötchen mit süßem Brotaufstrich, ein Glas Orangensaft und eine Tasse Kaffee - ein klassisches deutsches Frühstück ist in Gefahr. Zumindest, wenn es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ihrer jüngst veröffentlichten Zucker-Leitlinie geht. Darin empfiehlt die WHO eine sehr begrenzte Aufnahme von Zuckern, die nicht nur an der Lebensrealität der Verbraucher vorbeigeht, sondern deren wissenschaftliche Begründung mehr als nur zweifelhaft ist. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL), erklärt: "Scheinlösungen lösen keine Probleme, sie schaffen nur neue. Bei aller Anerkennung für den Versuch der WHO, die Anzahl übergewichtiger Menschen reduzieren zu wollen, verkennen die Vorschläge der Organisation die Ursachen von Übergewicht. Auf der Grundlage veralteter Daten, Vermutungen und Unterstellungen lässt sich aber kein sachgerechter Lösungsansatz finden."
Nicht nur der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kritisierte im Rahmen der Konsultation der Entwurfsfassung der Leitlinie, dass die WHO hier wesentliche Fakten der Adipositas- und Kariesforschung unberücksichtigt gelassen habe. So gibt es keinen Beleg dafür, dass allein der Konsum von Zucker, zuckerhaltigen Lebensmitteln oder auch anderer einzelnen Nährstoffen für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich sind. Tatsächlich spielen verschiedene Faktoren wie z. B. auch Bewegungsmangel, genetische Disposition, sozioökonomische Faktoren und Stress eine große Rolle. "Entscheidend ist ein insgesamt gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und Zeit für Entspannung und Genuss", erklärt Minhoff.
Des Weiteren ist es wissenschaftlich gesichert, dass für die Kariesentstehung die Häufigkeit des Verzehres von Kohlenhydraten, sei es in Form von Stärke oder Zucker, verantwortlich ist - und nicht wie von der WHO vorgebracht die Menge an Zuckern. "Die Schlussfolgerungen der WHO in Sachen Kariesprävention sind für mich völlig unverständlich. Im internationalen Vergleich hält Deutschland eine Spitzenposition in der Kariesprävention, auch ohne die WHO-Empfehlungen!", so Minhoff. Eine vernünftige Kariesprävention beruht auf richtiger Mundhygiene, insbesondere regelmäßigem Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
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